In diesem Text gehe ich auf das 1957 erschienene Buch „Die Kunst des Liebens“ von Erich Fromm ein. Im Laufe des Beitrags möchte ich verschiedene Facetten der Liebe beschreiben, das Bild der Liebe in der heutigen Gesellschaft aufzeigen und anhand des Buches der Frage nachgehen, ob Liebe eine Kunst ist und wie diese zu erlernen ist.
Was ist Liebe?
Die Frage nach der Liebe ist gleichzeitig eine sehr einfache wie schwer zu beantwortende Frage. Es ist eine der am häufigsten gestellten Fragen der Weltgeschichte. So wurde schon im alten Griechenland erkannt, dass Liebe nicht nur schwer zu kategorisieren ist, sondern auch das Generalisieren schwerfällt. Dort wurde versucht, die Liebe in drei Kategorien einzuteilen, welche auch bei Erich Fromm genannt werden:
- Eros = Die romantische Liebe
- Philia = die freundschaftliche Liebe
- Agape = die bedingungslose Liebe
Liebe als Kunst
Häufig wird gedacht, dass uns die Fähigkeit zu Lieben mit der Geburt „in den Schoß gelegt“ wird. Ein als angenehm empfundener Zustand, der leicht entsteht. Erich Fromm geht vom Gegenteil aus und sagt, dass Lieben eine Kunst ist, da „alle Versuche zu lieben fehlschlagen müssen, sofern nicht aktiv versucht wird, die ganze Persönlichkeit zu entwickeln und so produktiv zu werden“.
Für ihn ist das ganze Leben eine Kunst und da das Erlernen einer solchen die aktive Auseinandersetzung mit ihr benötigt, braucht auch die Liebe eigenes Bemühen. Die Auseinandersetzung mit ihr ist da der wichtigste Bestandteil. Als Mensch empfinden wir in unserem Leben eine aktive Sehnsucht nach der Liebe und doch scheinen in unserem Alltag oft ganz andere Dinge viel wichtiger zu sein wie Erfolg, Geld, Macht, Unterhaltung.
So hat er recht, wenn er sagt:
„wir bemühen uns so gut wie überhaupt nicht darum, die Kunst des Liebens zu erlernen.“
Liebe als Antwort auf die Existenzfrage
Zuerst stellt sich die Frage, ob Liebe überhaupt mehr ist als nur ein Bestandteil unserer Instinkte. Durch die kognitive Revolution des Menschen haben wir uns insoweit vom Tier abgehoben, dass wir (zumindest größtenteils) Gebieter über unsere Triebe geworden sind und diese nur noch teilweise über uns herrschen. Der Mensch besitzt Vernunft und hat somit „ein Leben, dass sich seiner selbst bewusst ist“. Dadurch versucht er sich auch mit Fragen des Sinns oder der Existenz auseinanderzusetzen.
Wir werden unfertig, genauer gesagt als physiologische Frühgeburt auf die Welt gebracht. So sind auch nach der Geburt für weitere Jahre auf Hilfe angewiesen, im Gegensatz zu anderen Tieren, welche bereits sehr früh selbstständig für sich verantwortlich sind. Nach der Geburt empfinden wir zum ersten Mal ein Gefühl von Alleinsein, vom Abgetrenntsein. Diese Trennung vom sicheren Mutterleib kann als erstes Trauma des Menschen angesehen werden, in der er sich seiner „abgesonderten, einsamen Existenz“ bewusst wird. Die Erfahrung des Abgetrenntseins erzeugt Angst, für Erich Fromm ist sie tatsächlich auch „die Quelle aller Angst“.
Wie kann dieses Gefühl der Angst überwunden werden? Eine Möglichkeit ist durch die Bindung an eine Gruppe, in der der einzelne Mensch aufhört, er selbst zu sein und als Teil einer Menge Halt findet. Erich Fromm spricht dort jedoch nur von einer „Pseudo-Einheit“. Eine vollständig zufriedenstellende Antwort findet man für ihn nur durch die zwischenmenschliche Einheit in Form der Liebe, welches das stärkste Streben des Menschen ist, sei es instinktgetrieben als Akt der Fortpflanzung und Artenerhaltung oder geistig als Überwindung des Abgetrennten.
Diese Einheit ist aber nicht einfach zu erreichen, da unsere aufgebauten Beziehungen häufig am Ziel vorbeispringen und zu einer mit Frustration geführten Bindung führen. Dort wird von der „symbiotischen Vereinigung“ gesprochen, welche Fromm als unreife Form der Liebe beschreibt. Weshalb dem so ist, möchte ich später detaillierter ergründen.
Arten der Liebe
Liebe zwischen Eltern und Kind
Das Kind empfindet nach der Geburt Angst durch das Alleinsein. Diese Angst wird durch die Eltern aufgefangen. So erlebt das Kind die Eltern als Schutzpatronen seines Lebens, welche Wärme und Sicherheit bieten. Da Säuglinge erst in der späteren Entwicklung eine Objektpermanenz (Urvertrauen in das Vorhandensein der Eltern) aufbauen und die Welt vorerst rein egozentrisch wahrnehmen, erfährt das Kind im besten Falle eine bedingungslose Liebe und das Gefühl „Ich werde geliebt, weil ich bin“. Diese rein passive Liebe entwickelt sich mit den Jahren jedoch zu einer neuen Vorstellung der Liebe. Geliebt werden wird zum Lieben. Nun sind viele Faktoren entscheidend, welche Art der Liebe ein Kind intrinsisch entwickeln kann. So sind Beziehungen relevant, besonders zu den Eltern, Lernen durch Beobachtung am Modell der Eltern und alle außenstehenden Umweltfaktoren wie die Erziehung (In der Schule etc.) und Gesellschaft.
Durch das eigene Lieben im weiteren Verlauf erkennt das Kind, wie schön es ist zu lieben und wie viel dort zurückgegeben werden kann und folgt bei gesunder Entwicklung dem Prinzip „Ich werde geliebt, weil ich liebe.“
Leider erleben nicht alle diese optimale Entwicklung und können sich auch im Erwachsenalter nicht von der infantilen Liebe befreien „Ich liebe, weil ich geliebt werde“.
So werden Beziehungen und Ehen häufig durch falsche Motive aufgebaut und von einem sehr narzisstischen Blickwinkel genährt. Dort sieht man im anderen ein Besitztum und keine eigenständige Persönlichkeit. „Ich liebe dich, weil ich dich brauche.“
So kann man zusammenfassend sagen, dass die Liebe zu den Eltern sehr wichtig für die Entwicklung einer seelisch-geistigen Gesundheit und Reife ist. Dort kann man ebenfalls eine Wurzel erkennen, weshalb die Liebesfähigkeit häufig nur mangelhaft entwickelt wurde.
Nächstenliebe
Für Fromm ist die Nächstenliebe die fundamentalste Art der Liebe, denen alle anderen Formen zugrunde liegen. Damit meint er ein Gespür für Verantwortlichkeit, Fürsorge, die Achtung vor dem Leben, sowie dessen uneigennützige Wunsch dessen Leben zu fördern. Es ist die Art Liebe, welche in vielen Weltreligion als eine der obersten Regeln beschrieben ist:
„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“
Oder in leichter Abwandlung als goldener Regel bekannt geworden:
„Was du nicht willst das man nicht tu, das füg auch keinem andern zu“
Wenn die Fähigkeit zu lieben entwickelt werden soll, ist es unumgänglich auch den Nächsten lieben zu lernen. Wenn man einen Menschen aufgrund seines Aussehens, seiner Intelligenz oder seinem Glauben anders bewertet oder verurteilt, fehlt die Fähigkeit die Identität des menschlichen Kerns ausfindig zu machen, also einer Erfahrung, dass wir egal wie verschiedenen alle eins sind.
So sagt er dazu zusammenfassend:
„Erst in der Liebe zu denen, die für uns keinen Zweck erfüllen, beginnt die Liebe sich zu entfalten“.
Mütterliche Liebe
Trotz der Parallelen mit der allgemeinen elterlichen Liebe sieht Fromm in der Mutter eine noch bedeutendere Rolle für die Vermittlung zur Liebe zum Leben. Er sieht dort einen Vergleich im biblischen Satz „Ein Land, wo Milch und Honig fließt“. Milch soll dort das Symbol des ersten Aspektes der Liebe sein, die Fürsorge und die Bestätigung. Damit ist gemeint, dass die Mutter sich um das Kind kümmert und ihm Aufmerksamkeit zollt. Honig wiederum symbolisiert die Süße des Lebens, die Liebe zum Leben und das Empfinden von Glück. Die meisten Menschen sind fähig „Milch“ zu geben, um jedoch „Honig“ spenden zu können, reicht es nicht aus, nur eine gute Mutter zu sein. Die Mutter selbst muss auch ein glücklicher Mensch sein. So erlernt das Kind durch die Mutter die Liebe zum Leben, welche ebenso ansteckend ist wie die mögliche Angst vor dem Leben.
Im Gegensatz zur Nächstenliebe oder der erotischen Liebe (Eros), welche zwischen Gleichen ist, ist die Beziehung zwischen Mutter und Kind im Ungleichgewicht. Wegen dieses altruistischen, selbstlosen Charakters gilt die Mutterliebe (Agape) als höchste Art der Liebe und als heiligste aller emotionalen Bindungen.
Erotische Liebe
Die erotische Liebe (Eros) ist die Form, welche uns vermutlich als Erstes in den Kopf kommt. Dies liegt daran, dass sie am „spürbarsten“ scheint und uns am meisten einnimmt. So ist besonders der Anfang einer Beziehung sehr von der erotischen Liebe geprägt. Diese beschreibt das Verlangen nach vollkommener Vereinigung, nach der Einheit mit einer anderen Person. Für Fromm ist sie jedoch auch die trügerischste Form der Liebe.
So ist eben der Anfang einer Beziehung, das Erlebnis einer plötzlichen Intimität, ein sehr kurzlebiges Ereignis. Dort wird das Getrenntsein durch die körperliche Vereinigung kompensiert, nur findet überwiegend keine seelisch-geistige Vereinigung statt. Nach einer gewissen Dauer scheint die andere Person komplett kennengelernt und ohne Reiz zu sein. Daher versucht Fromm darauf, aufmerksam zu machen, dass die anfängliche sexuelle Begierde nicht mit der Liebe verwechselt werden sollte, auch wenn dies häufig der Fall ist und so ebenfalls in der Popkultur (Bücher, Filme) propagiert wird.
In der erotischen Liebe besteht das starke Verlangen, die andere Person „zu besitzen“. Sie ist weniger voller echter Zärtlichkeit und Hingabe. Die erotische Liebe bleibt also nicht mehr als eine vorübergehende Vereinigung und wird niemals zu einer echten Einheit. Ein eindrückliches Beispiel ist das eines „One-Night-Stands“, da dort über Nacht eine temporäre sexuelle Vereinigung stattfindet, welche am frühen Morgen häufig voll Scham beendet wird. So bleiben sich die zwei Vereinigten trotz der erotischen Liebe fremd.
Eine ähnliche Problematik gibt es in der Beziehung zwischen Menschen. Wenn in einer Bindung die Nächstenliebe fehlt und es vor allem darauf ausgelegt ist, die Einsamkeit zu überwinden und den anderen zu besitzen bzw. besitzt zu werden, dann bleibt ihr Erlebnis der Vereinigung eine reine Illusion. Für Fromm verkommt die Liebe so zum Egoismus zu zweit. Sie erweitern das Problem des Getrenntseins also auf zwei Personen und sind so zusammen einsam.
Nietzsche sagt dazu:
„Um sich wirklich gegenseitig gut zu sein, muss sicher jeder erst einmal selbst gut sein. Solange wir nicht anerkennen, dass wir allein sind, benutzen wie den anderen nur als Schutzschild gegen unsere Einsamkeit. Nur wer herzhaft leben kann wie der Adler, dem kein Zeuge zuschaut, kann sich einem anderen in Liebe zuwenden. Nur der ist fähig, die Erhöhung des anderen Daseins, das Wachstum zu wünschen“
Oder kurz zusammengefasst:
„Man liebt zuletzt seine Begierde, und nicht das Begehrte“
Selbstliebe
Häufig wird Selbstliebe mit Selbstsucht, Narzissmus oder Egoismus verwechselt. Dies ist jedoch nicht der Fall. So meint bspw. der biblische Satz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ die Achtung vor der eigenen Integrität und Einzigartigkeit, die Liebe zum eigenen Selbst. So ist die Liebe zu sich selbst also untrennbar mit der Liebe zu allen anderen Wesen verbunden. Selbstsucht ist wiederum eben die Folge des Mangels an Selbstliebe.
„Wenn ein Mensch fähig ist, produktiv zu lieben, dann liebt er auch sich selbst. Wenn er nur andere lieben kann, dann kann er überhaupt nicht lieben“.
Liebe zu Gott
Erich Fromm meint mit der Liebe zu Gott nichts Religiöses an sich. Für ihn ist der Begriff „Gott“ der höchste Wert, das erstrebenswerteste Gut. Gott ist Gerechtigkeit, Wahrheit und Liebe. Im Wandel und von diesem Blickwinkel aus betrachtet hört Gott auf, eine Person zu sein und wird so zum Symbol für das Prinzip der Einheit. Schon in der Bibel wurde immer wieder erwähnt, sich vom Bild der Person, dem „Seienden“ freizumachen. „Mein Name ist namenlos“.
Bei Moses behauptet er so „Ich bin „Ich bin da“ (Ex 3,14). Die Bezeichnung „Ich bin da“ zielt darauf ab, den Menschen von der Vorstellung einer Person freizumachen und wird zum „namenlosen Einen“, zur Einheit allen Daseins.
Gott lieben bedeutet also nicht, wie häufig fälschlich angenommen, eine Person zu lieben. Es heißt viel mehr die Sehnsucht nach der vollen Liebesfähigkeit. Die Sehnsucht nach der Einheit.
Das bedeutet, dass man sich vom „historisch bedingten“ Bild von Gott entfernen sollte und dort nichts zu Nennendes sehen sollte. Gott hat keinen Namen. Gott kann nicht adressiert werden, wie es bereits der chinesische Philosoph Laotse umschrieb: (Spruch 1)
Könnten wir weisen den Weg
Es wäre kein ewiger Weg
Könnten wir nennen den Namen
Es wäre kein ewiger Name
Ebenfalls sehr schön in zwei Sätzen formuliert: (Spruch 56)
Ein Wissender redet nicht
Ein Redender weiß nicht
Die Gottesliebe ist also kein Akt des Wissens über ihn, auch nicht das Denken über ihn, sondern ein Akt des Erlebens im Einssein mit ihm.
Die Liebe und ihr Verfall in der heutigen Gesellschaft
„Die Kunst des Liebens“ ist 1956 erschienen, dennoch ist, Erich Fromm schon vor fast 70 Jahren zu dem Entschluss gekommen, dass unsere Fähigkeit zu Lieben in unserer westlichen Konsumgesellschaft verkümmert. Dazu schreibt er Folgendes:
„Zunächst stellt sich die Frage, ob unsere heutige Gesellschaft (es gibt viele Parallelen zu 1956, auch wenn es im Jahre 2024 deutlich ausgeprägter und extremer ist) für die Entwicklung der Liebe förderlich ist.“
Diese verneint er klar, in dem er sagt, dass Formen der Liebe wie unter anderem Nächstenliebe, eine seltene Erscheinung ist und einige Formen der Pseudoliebe an ihre Stelle gerückt sind, bei denen es sich in Wirklichkeit um den Verfall der Liebe handelt. Menschen werden zu Arbeitskräften und damit zu Gebrauchsgütern verwandelt, angesammelte tote Dinge besitzen einen höheren Wert als das Lebendige. „Der moderne Mensch ist sich selbst, seinen Mitmenschen und der Natur entfremdet“. Für ihn sind viele menschliche Beziehungen „im Wesentlichen die von entfremdeten Automaten“.
Für ihn ist das Bedürfnis nach Transzendenz und Einheit essenziell für eine liebesfähige Person. Dieses Bedürfnis wird den meisten durch Arbeitsroutine und Unterhaltungsmedien überhaupt nicht bewusst. Der moderne Mensch überwindet seine Verzweiflung temporär durch die Routine des Vergnügens, durch den passiven Konsum von Tönen und Bildern und durch die Befriedigung, ständig neue Dinge zu kaufen. Fromm erkennt in den heutigen Beziehungen kein gemeinsames Streben nach Einheit, sondern den Versuch ein gutes Tauschgeschäft mit einem Partner zu erzielen. Beziehungen sind zum Besitz, zum Haben verkommen und weit entfernt vom Sein.
Was würde Erich Fromm zu unserer heutigen Gesellschaft sagen?
70 Jahre später sind wir auf dem bisherigen Zenit des Konsums angekommen. Das Internet, Smartphones, soziale Medien. Die Menschen steigern sich in fremde Welten hinein, sind virtuell zusammen und werden doch immer einsamer. Sie entfremden noch mehr von ihrer Natur, verlernen Empathie und Achtsamkeit und haben die Konzentrationsspanne weniger Sekunden. Beziehungen dienen umso verstärkter der Verdrängung der eigenen Einsamkeit. Der eigenen Verzweiflung orientierungslos zu sein, richtungslos und ohne Ziel.
Durch das Aufkommen von Dating-Apps wie Tinder ist die Romantik aus dem Großteil unserer Gesellschaft verschwunden. Wir bewerten andere Menschen nach ihrem Aussehen, stellen uns selbst verfremdet in sozialen Medien da, erschaffen eine digitale Rolle, welche wir mit unserem Selbst verwechseln und spielen so Theater vor einem Publikum, welches nach neuen Trend und der Illusion eines Erlebnisses giert, welches sie dann in ihre Galerie einquartieren können. Individualität geht in der Illusion dieser verloren und Menschen werden immer mehr gleichgeschaltet, passen sich an, werden konform zur Gesellschaft.
Auch Ehen werden immer mehr geschieden, kommen zustande aufgrund einer plötzlichen Schwangerschaft, Langeweile oder Verzweiflung und stehen immer mehr in dem von Fromm beschriebenen Geist. „Zu zweit allein“, also wie Puzzleteile, die sich ineinander verhaken. Nicht wirklich zusammen, eher unbrauchbar.
Zusammengefasst wurde also alles, was Erich Fromm beschrieben hat, in einem erschreckenden Ausmaß verstärkt und so sind die Menschen noch weiter entfernt von wahrer Vereinigung.
Wie erlerne ich also die Kunst des Liebens?
Besonders wichtig für Erich Fromm ist der Glauben. Dieser gilt für ihn als essenziell. Damit ist keinesfalls der Glaube an eine Person oder Idee gemeint, sondern ein Glaube, welcher im produktiven, intellektuellen und emotionalen Tätigsein verwurzelt ist. Ein Glaube an die Vernunft, an eine eigene Vision. Der Glaube an die eigene Liebe und an die Fähigkeit, bei Anderen Liebe hervorzurufen und der Glaube an ihre Verlässlichkeit.
Für ihn ist Glaube ein „unentbehrlicher Bestandteil jeder echten Freundschaft oder Liebe.“
Glauben erfordert Mut und damit die Fähigkeit, ein Risiko einzugehen, sowie die Bereitschaft, Schmerz und Enttäuschung hinzunehmen. Der Glaube an die eigenen Werte und den Mut, alles dafür aufs Spiel zu setzen. So ist Liebe Hingabe, ein schutzloser Akt des Vertrauens. Man darf keine Angst vor der Liebe haben, auch wenn sie noch so einschüchternd wirken kann. Egal auf welcher Ebene.
Eine weitere Voraussetzung ist es „ganz wach“ zu sein, damit man sich selbst und andere nicht langweilt. „Die Fähigkeit zu lieben erfordert einen Zustand intensiver Wachheit und gesteigerter Vitalität.“ Damit ist ein produktives Leben gemeint. Erschaffe etwas, sei kreativ, fördere und errichte, helfe und lass dir helfen. Schlage deine Zeit nicht einfach tot, in dem du etliche Stunden im Internet oder auf dem Handy verbringst. Lerne die Natur von Neuem kennen, sei achtsam und nutze deine Sinne bewusst. Akzeptiere die Stille und versuch ihre Schönheit zu erkennen. Versuche, dich von seelischem Ballast zu befreien und greife nicht negativ in das Leben anderer ein. Im Gegenteil. Helfe, wenn du helfen kannst, doch nur, wenn du auch helfen sollst.
Gib mehr, als du bekommst, denn „gerade im Akt des Schenkens erlebst du deine Stärke, deinen Reichtum, deine Macht.“ Das Erlebnis dieser gesteigerten Vitalität erfüllt mit Freude.
„Nicht der ist reich, der viel hat, sondern der, welcher viel gibt.“
Erkenne, dass du zuallererst für dich selbst verantwortlich bist und dich selbst weiterentwickeln musst. Du kannst andere nicht zur Entwicklung zwingen, du kannst allerhöchstens als helfende Hand fungieren, doch die Bereitschaft zur Weiterentwicklung muss jeder Mensch selbst erlernen.
Eine Beziehung ist kein Tauschgeschäft. Es ist kein „Besitz“ einer anderen Person. Es ist das gemeinsame Streben nach einem über ihnen stehenden Ideal, ein Durst nach Einheit. Eine Beziehung ist kein Akt der Verpflichtung, sondern ein Akt der Freundschaft.

